Universität Freiburg Kollegiengebäude II

Platz der alten Synagoge 1
79098 Freiburg im Breisgau
Deutschland

Hörsaal 2006

Regie&Buch: Sung-Hyung Cho Kamera: Thomas Schneider & Julia Daschner Musik: Peyman Yazdanian Produktion: D, 2016 Länge: 106 min. Fassung: DCP, Kor. OmU

Bild entfernt.Die Dokumentarfilmerin Sung-Hyung Cho macht Heimatfilme – in zwei Ländern, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs geteilt wurden. Bekannt wurde sie mit Full Metal Village, mit dem sie das norddeutsche Dorf Wacken portraitierte, in dem alljährlich das gleichnamige Heavy-Metal-Festival stattfindet. Um auch im Norden ihres Mutterlandes drehen zu dürfen, wechselte sie sogar ihre Staatsbürgerschaft: Die geborene Südkoreanerin wurde deutsch. Cho wollte hinter die Klischees und Stereotypen schauen, mit denen Nordkorea üblicherweise verbunden wird – und Menschen in ihrem Alltag begleiten. Dabei musste sie weitreichende Kompromisse eingehen und sich den Film von den nordkoreanischen Behörden am Ende freigeben lassen. Die Regisseurin reiste mehrfach vor dem Dreh nach Nordkorea, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu ihren Protagonisten zu schaffen – und es gelang ihr, die Behörden zu überzeugen, ohne „Aufpasser“ mit ihren Protagonisten filmen zu dürfen. Cho sagt, dass der Dreh eines Dokumentarfilms über die deutsche Frau-Nationalmannschaft sie auf totalitäre Systeme mit einer „Kultur der Angst“ vorbereitet hat: Anders als mit dem Deutschen Fußballbund hätte man mit den Nordkoreanern reden können, erklärte die Regisseurin. Auch wenn Chos Interviewpartner nur positive Seiten ihres Systems herausstellen, bleibt dem Zuschauer nicht verborgen, in welchem Land sie leben. „Wer im Sozialismus nicht arbeitet, der soll nicht denken, zu essen“, sagt ein Protagonist. Oder eine sympathische Oma erklärt, ihr Wunsch sei es, dass ihre Enkelkinder als „revolutionäre Helden“ im kritischen Moment ihr Leben „für Volk und Führer“ opfern. Cho verzichtet dabei auf eine Einordnung durch einen Sprecher, sondern lässt ihre Aufnahmen für sich spre-
chen. „Denken Sie, dass Zuschauer so blöd sind, das nicht mitzubekommen“, antwortete sie auf die Frage einer Journalistin, ob hierdurch der Propaganda nicht zu viel Raum gegeben wird. Entstanden ist ein einmaliger Einblick in ein Land, das auch nach 70 Jahren noch auf eine Wiedervereinigung hofft.

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