Mo, 02.03.2026, 19 Uhr
Tischgespräch
Plastizität und Vergänglichkeit – Kunststoff als Material der Kunst
mit Charlotte Matter
Die Frage der Vergänglichkeit trägt im Zusammenhang mit Kunststoffen eine besondere Bedeutung. Die meisten Kunststoffe durchlaufen einen Zerfallsprozess – eine Herausforderung insbesondere für Sammlungen zeitgenössischer Kunst. Zugleich verschwinden sie als Abfall nicht vollständig, sondern bleiben als Mikroplastik in der Umwelt präsent. Die Kulturwissenschaftlerin Heather Davis bezeichnet Kunststoffe daher als «lebende Tote unter uns»: Sie zerfallen in immer kleinere Partikel, lösen sich aber nicht gänzlich auf und bestehen als Schadstoffe fort.
Das Tischgespräch richtet den Blick auf künstlerische Positionen der 1960er und 1970er Jahre, die Kunststoffe bewusst als vergängliche Materialien einsetzten, um Fragen von Körperlichkeit und Vulnerabilität zu verhandeln. So thematisiert Senga Nengudi in ihren Nylonarbeiten Mutterschaft, Abnutzung und Alterung, während Alina Szapocznikow in ihren Polyester- und Fiberglasskulpturen Krankheit ins Zentrum rückt. Darüber hinaus greift das Gespräch die von der Philosophin Catherine Malabou entwickelte Unterscheidung zwischen Elastizität und Plastizität auf und bezieht sie auf die materiellen und metaphorischen Dimensionen des Kunststoffs.
Charlotte Matter (sie/ihr) ist Laurenz-Assistenzprofessorin für zeitgenössische Kunst an der Universität Basel. Zu ihren Forschungsinteressen gehört feministische Kunst, Materialität und Klasse. Ihr Buch, Feminist Substances: Plastics in Art of the 1960s and 1970s, erscheint 2026 bei Manchester University Press. Sie ist Mitherausgeberin von Sculpture Journal (Liverpool University Press) und Mitbegründerin des Forschungsprojekts «Rethinking Art History through Disability».
Mit dem Tischgespräch, das als Veranstaltungsreihe im Rahmen der Ausstellungen des Kunstvereins angelegt ist, werden schwerpunkthaft Inhalte, Themen und Kontexte der gezeigten künstlerischen Arbeiten zugänglich gemacht, befragt und erweitert. Die Ausstellung ist Anlass, Fragen zu stellen und was als gesetzt gilt, anzweifeln zu dürfen, Begegnung, Denkanstoß sowie Teilhabe zu erzeugen und gemeinsames Verlernen zu erproben. In der Ausstellungshalle wird eine Arbeitsstation geschaffen und eine Person, deren Praxis oder Forschungsschwerpunkt wir im Hinblick auf die Ausstellung besonders interessant finden, eingeladen, um gemeinsam mit weiteren Gesprächsteilnehmer*innen gesellschaftspolitische Fragestellungen über die Ausstellung und den Ausstellungsraum hinaus zu verhandeln.
Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.