Ca Ira Verlag

Günterstalstraße 37
Hinterhof(1. OG)
79100 Freiburg
Deutschland

Günterstalstr. 37, im Hinterhof im 1. OG.

Bevor das alles geschah, was Ende des Jahres 2024 den Kairos auf den Vorstoß nach Damaskus hervorbrachte – die Lähmung der Hezbollah, die Lethargie der russischen und khomeinistischen Despotie, die Leichenstarre des dynastischen Regimes –, verharrte die Hay‘at Tahrir al-Sham in Idlib angesichts von Fraktionsfehden und ausdauernden Protesten in Instabilität. Doch keinem anderen Regime wurde nach einem Coup d’État mit einem solchen diplomatischen Eifer begegnet wie in Syrien. Einzig darin gründet die Legitimation des Regimes von al-Sharaa, der noch als Emir der al-Nusra-Front die bürgerliche Demokratie als »Blasphemie« ächtete.

Wenige Tage vor den Massakern im südsyrischen Suwayda hatte Donald Trumps Point Man in Damaskus, Thomas Barrack, auf ein Ende der Bemühungen um ein dezentralisiertes Syrien gedrängt, das nicht nur für Drusen eine Lebensversicherung wäre. Barrack schmeichelte dabei dem Regime, dass es »unglaublich enthusiastisch« darin sei, divergierende »Interessen anzugleichen«. Noch im Angesicht der anti-alawitischen Massaker in der syrischen Küstenregion behauptete sich al-Sharaa als Souverän, der als einziger die Übereifrigen brüderlich-autoritär zur Räson bringen kann. Die Mehrheit der US-amerikanischen und europäischen Analysten hat ihn dabei unlängst als Ordnungsgaranten akkreditiert. Dass dies vor allem auch in der Sensibilisierung für die türkischen Interessen in der Region gründet, macht das syrische Staatschamäleon nicht weniger bedrohlich. Denn es ist mit Erdoğan der Staatspräsident einer formal-laizistischen Republik, der sich als geifernder Übervater einer islamofaschistischen Konterrevolution geriert, die in Afrîn oder Conflans-Sainte-Honorine zur barbarischen Tat schreitet. Während Analysten in diesen Tagen bemüht sind, die heilige Wandlung eines Warlords der al-Qaida zum Übervater der Nation zu bezeugen, wie anderswo fromme Katholiken die Erscheinung der Gottesmutter, scheint man über das Ende eines anderen Syrien bereits entschieden zu haben. Von der demokratischen Föderation in Nordostsyrien aus gewann der Ruf »Frau, Leben, Freiheit« an Popularität, bevor er im Jahr 2022 zum Namensgeber der Massenproteste im Iran wurde. Im Vortrag wird es um den als syrische Revolution mystifizierten Coup d’État gehen, um die regionalen Konstellationen und die Endlosigkeit des »strategischen Albtraums« (Mitch McConnell), die mit einem Rückzug des US-amerikanischen Militärs aus Nordostsyrien droht.

Es spricht Danyal Casar (Hamburg), der auf dem Blog Cosmoproletarian Solidarity schreibt. Außerdem ist er freier Autor, u. a. für die sans phrase und iz3w.

Die Veranstaltung ist kostenfrei

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