Ab dem 3. April um 20:30 Uhr (bis zum 16. Mai) präsentieren wir die Ausstellung
„House of Horror und der Kleine Lichtblick“ der Künstlerinnen MORGULA MORTENSON und BELLA BOXFISH.

Freiburg ist eine Stadt der Ordnung.
Eine Stadt der Regeln – und vielleicht auch eine Stadt derer, die sie manchmal zu ernst nehmen.
Und doch: An beinahe jeder Straßenecke, inmitten der gepflegten Quartiere, tauchen sie auf – provisorisch, unscheinbar, manchmal beschriftet: Kisten, nein, kleine Ansammlungen von Dingen mit der simplen Geste „Zu verschenken“. Diese Objekte bewegen sich in einem prekären Zustand zwischen Gabe und Abfall. Was eben noch als Angebot im öffentlichen Raum stand, kann – durch Witterung, Zeit oder Eingriff – rasch zur unerlaubten Müllablagerung werden.
Die Grenze ist fragil. Und sie wird verhandelt: administrativ, ästhetisch, gesellschaftlich. Doch jenseits dieser Ordnungssysteme entfaltet sich eine andere Perspektive: die der Zirkulation, der Weitergabe, der stillen Übergabe ins Unbekannte.
Denn jedes dieser Dinge trägt eine Geschichte in sich – oder vielmehr: das Potenzial unzähliger Geschichten. Sie wurden benutzt, vielleicht geliebt, vielleicht vergessen. Sie wurden verschenkt, abgegeben, aus der Hand gegeben – und damit auch aus der Kontrolle ihrer ehemaligen Besitzer*innen entlassen. Was bleibt, ist eine Leerstelle.
Und genau hier setzen die Arbeiten von MORGULA MORTENSON und BELLA BOXFISH an.
BELLA BOXFISH
BELLA BOXFISH widmet sich in ihren Arbeiten der poetischen Rekonfiguration solcher Fundstücke. In kleinen, sorgfältig komponierten Dosen entstehen fragile Mikrokosmen, in denen sich disparate Fragmente zu neuen Narrationen verdichten.
Die Künstlerin arbeitet mit dem Prinzip des Fragments – nicht als Mangel, sondern als produktiven Zustand: Objekte werden neu angeordnet, verschoben, kombiniert und in alternative Ordnungen überführt.
So entstehen erzählerische Räume, die sich einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen und gerade darin ihre Qualität entfalten. Sie eröffnen Möglichkeitsräume – zwischen Erinnerung und Projektion, zwischen Intimität und Distanz. Was einst beiläufig war, wird hier zur Bühne. Was überflüssig schien, erhält eine neue Präsenz.
MORGULA MORTENSON
Auch MORGULA MORTENSON greift auf gefundene Materialien zurück, verschiebt den Fokus jedoch stärker ins Narrativ und ins Körperliche und Politische. Ihre interaktive Installation – ein Puppenhaus – entfaltet sich als vielschichtiger Erfahrungsraum, der sich mit dem Alltagshorror weiblich sozialisierter Lebensrealitäten auseinandersetzt. In den einzelnen Räumen und Ebenen des Hauses verdichten sich Themen wie Reproduktionsarbeit, Schönheitsnormen und Objektifizierung zu einer räumlich erfahrbaren Dramaturgie.
Das Spielerische des Formats steht dabei in einem bewussten Spannungsverhältnis zu den verhandelten Inhalten: Zwischen Humor und Unbehagen, zwischen Wiedererkennen und Irritation entsteht ein Raum, der sowohl zugänglich, als auch verstörend wirkt.
Ergänzt wird die Installation durch Dark Pop Art Druckarbeiten sowie hybride Skulpturen aus anderen Zeiten, die sich aus dem gleichen Materialspektrum speisen: dem Ausrangierten, dem Übersehenen, dem Verworfenen. Auch hier zeigt sich das zentrale Moment der Ausstellung – die Transformation. Zum Glück mit einem Augenzwinken und mit viel Spielfreude.
„House of Horror und der Kleine Lichtblick“ verhandelt damit nicht nur den Status von Dingen, sondern auch den von Erfahrungen. Zwischen Wegwerfen und Bewahren, zwischen Abwertung und Aufladung, zwischen Kontrolle und Loslassen entstehen neue Bedeutungsräume.
Und vielleicht liegt genau darin ihr leiser Widerstand: in der Behauptung, dass selbst im Übersehenen, im Ausgemusterten, im scheinbar Wertlosen noch etwas aufscheint – ein Rest von Möglichkeit, von Verarbeitungsprozessen und gemeinsamen Erfahrungen.
ab 20:30 Uhr: Vernissage
21 Uhr: Einlass/Abendkasse Konzert
ca. 22 Uhr: Konzert mit Flying Moon in Space + Drotz
Midissage:
tba
Finissage: 16. Mai ab 20:30 Uhr
Konzert mit Hundefutter + Verbrennung 3. Grades
Der Eintritt zur Vernissage ist frei.
Der Slow Club wird während der Vernissage und Konzerte rauchfrei sein.
Der Zugang zur Ausstellung im 1. OG ist leider nicht barrierefrei.
Infos zur Barrieresituation findet ihr hier: https://www.slowclub-freiburg.de/leitbild