Die Ethnolinguistin Margit Gutmann erforscht seit mehr als 40 Jahren die mündliche Literatur der Quechua. In den 1980er Jahren lebte sie dazu vier Jahre im Dorf Pomacanchi, wohin sie immer wieder zurückkehrt. In Pomacanchi erzählten ihr die Bäuerinnen und Bauern auf Quechua ihre vielfältigen Geschichten und ließen sie an ihrem Alltagsleben, ihren Gebräuchen, Festen und Ritualen teilnehmen. Die 2026 erschienenen beiden Bände „Der Qanchi Machu lebt noch. Mündliche Quechua-Erzählungen aus einem Dorf der Anden Perus", die Margit Gutmann vorstellen wird, eröffnen einen Zugang zum Leben in Pomacanchi und zu den in den Quechua-Erzählungen enthaltenen Botschaften.
„Erzählen ist Weben mit Worten"
„So wie sich die verschiedenfarbigen Fäden verknüpfen und zusammen ein gewebtes Tuch entstehen lassen, verknüpfen sich die Erfahrungen und das Wissen des individuellen, sozialen und gemeinschaftlichen Lebens mit der Kosmologie und Weltsicht und erschaffen so die mündliche Quechua-Literatur."
Bei der ethnolinguistischen Analyse der Quechua-Erzählungen hat Margit Gutmann auch kulturelle Muster – darunter Webmuster – in der Organisation und sprachlichen Realisierung der Erzählungen gefunden. Uns, die wir aus einer schrift-geprägten Kultur stammen, ist es fast unbegreiflich, dass Personen aus einer mündlichen Kultur kulturelle Muster (wie z.B. Rhomben und Zickzack-Muster) beim mündlichen Erzählen entstehen lassen können. Die Quechua-Erzählerinnen und -Erzähler vermitteln durch diese sprachlichen Muster in den Erzählungen eine zweite und manchmal auch dritte Bedeutungsebene der Geschichte, die die Botschaft der Erzählung zu Tage treten lässt und so auch tiefen Einblick in die andine Kosmovision und Weltsicht gewährt.
Buchvorstellung: Dr. Margit Gutmann
Moderation: Dr. Juan Luis Camacho, Anthropologe, Cusco
Eintritt frei, Spenden erwünscht
barrierefreier Zugang
https://www.infostelle-peru.de/veranstaltungen/buchvorstellung-der-qanchi-machu-lebt-noch/
Mündliche Quechua-Erzählungen aus einem Dorf in den Anden Perus
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