Der Wald ist nicht mehr, was er einmal war. Das liegt
aber nicht nur daran, dass Borkenkäfer, Hitzeschäden und Entwaldung immer
wieder große Aufmerksamkeit erzeugen, sondern dass sich mit dem Topos „Wald“
ein Zeitmodell verbindet, was den großen, dunklen, dichten, vielleicht sogar
Ur-Wald mit dem demgegenüber immer irgendwie kleineren, weniger bedrohlichen
und doch noch mit dem Nimbus der Schönheit umgebenen Gegenwartswald
kontrastieren. Doch nicht nur finden sich immer noch Spuren der Waldmärchen und
-mythen sowohl im Sinne von Erzählformen als auch von Unwahrheiten unter den
Kronen mächtiger, tatsächlicher Gewächse, im Zeichen eines Walddiskurses, der
sich für die Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit, vielleicht sogar ein
produktives interspezies-Netzwerk im Boden interessiert, gewinnen sie ganz neue
Aktualität. Bäume, die sich gegenseitig helfen, werden hier zu Vorbildern einer
besseren Gesellschaftsform, zu Trägern einer Zukunft, die direkt aus
tiefenzeitlicher Vergangenheit in die Gegenwart zu reichen scheint. Doch genau
hier birgt der Wald einmal mehr Gefahren – von Missverständnissen,
Verantwortungsdiffusion und, leider auch, von reduktionistischem Übereifer.
Denn auch wenn manche „Theorien“ vielleicht in den Bereich der Märchen gehören,
ein Wald ohne Geschichten macht keinen Sinn. Dieser Vortrag wird vor dem
Hintergrund literarischer und popkultureller Wald- und Baumnarrative
beleuchten, in welcher Beziehung Wald, Märchen und Mythen zueinanderstehen und
wie sie gemeinsam zu einer bio- und mythodiversen Zukunft beitragen können.
Format: Vortrag
Link https://uni-freiburg.de/www40/vortragsreihe-sose-2026/